Freiheit, jeder wünscht sich frei zu sein, zu leben und das Leben auszukosten bis zum letzen Bisschen. Jeden Tag habe ich mir gewünscht so zu leben wie ich möchte. Aber ich wusste dass das nicht möglich ist. Bis ... bis ich sie kennengelernt habe, dunkle Haare, dunkle Augen, dunkle Kleidung. Mich ziehen Menschen magisch an die anders sind, sie sich nicht darum scheren gemocht zu werden. Kaputte Menschen, die auf ihre Weise die Freiheit entdeckt haben.
Ich lernte sie kennen als ich auf dem Weg zur Schule war, natürlich unmotiviert und gelangweilt. Ich starrte auf den Boden, lies meine Freunde an mir vorbeilaufen und achtete nur auf die Zigarette in meiner Hand. Ich sah sie nicht, so rannte ich in sie hinein. Dann nuschelte ich dass es mir leid täte, ging weiter. Sie mir hinterher. „Stopp“, ihre Stimme war hell und klar, „was?“, sagte ich genervt. „Kannst du mir eine Zigarette ausgeben? So als Entschuldigung?“ Ich gab ihr eine.
Anfangs schwiegen wir und ich sah sie nur an. Ihre Schönheit war verblüffend. Dünne Beine, die in einer Schwarzen Hose steckten, ein grauer Pullover der ihre Figur verbarg aber dennoch zeigte wie schlank sie war. Irgendwann begannen wir zu reden und verquatschten uns sodass wir beide eine Stunde zu spät zum Unterricht kamen. Luna hieß sie. Wir sprachen über vieles, sie erzählte, sie wäre von ihrer alten Schule geflogen, sodass sie nun einen Neuanfang auf unserer starten wollte, den Grund ihres Fliegens verriet sie nicht.
Es ist nicht leicht zu sagen, was mich in ihren Bann zog, aber dieser Sog war so mächtig dass ich nun jeden Tag mit ihr eine rauchen ging. Wir redeten, ich erfuhr sehr viel von ihr. Dann, irgendwann fragte sie mich ob wir mal zusammen weggehen sollten. Ich war sofort einverstanden. Feiern, Alkohol und all das. Total mein Ding.
Stunden bevor Luna und ich uns treffen wollten um feiern zu gehen, starre ich in den Spiegel, blasse Haut, dunkle Ränder um die Augen von durchzechten Nächten. Die dunkelbraunen Haare fielen mir ins Gesicht. Ich begann mich zu schminken, schwarzer Lidschatten, weißes Puder, Wimperntusche, mehr brauchte ich nicht. Ich betrachtete mich erneut, was ich sah gefiel mir. Ihren Stil zu imitieren gefiel mir.
Als wir uns dann trafen blieb mir der Atem im Hals stecken, sie sah unbeschreiblich aus. Ihre dunklen Haare rahmten ihr Gesicht ein, das sie kaum geschminkt hatte, dennoch sah sie aus wie eine Puppe, mit perfekten Zügen. Ihr Outfit unterstrich das nur, hohe Schuhe, ein schwarzes Kleid das kaum bis unter ihren Po ging. Sie sah perfekt aus. Ich kam mir schäbig vor, hatte schwarze Pumps an, eine Netzstrumpfhose und einen längeren, ebenfalls schwarzen Pulli der an einigen Stellen löchrig war. Gegen ihre perfekte Art sah ich aus wie eine Vogelscheuche.
In ihrer Tasche kramend rauchte sie eine Zigarette, als ihre langen Finger das fanden was sie suchten grinste sie mich an. Ihre Hand umschloss einen kleinen Stoffbeutel den sie nun begann zu öffnen. Sie entleerte den Inhalt auf die Innenfläche ihrer Hand. Pillen. Grinsend streckte sie mir ihren schlanken Arm entgegen.
Im Prinzip war das der Anfang vom Ende. Wir lebten eigentlich nur noch fürs Wochenende nur noch für die Partys und die Discos. Freitag, Samstag, feiern gehen, betrunken sein, Pillen werfen, versuchen nüchtern zu werden bevor man wieder nach Hause kommt, wann auch immer das ist. Halbstündlich Zigaretten rauchen und jedes Mal betrunkener sein, irgendwann zu betrunken um überhaupt noch das Feuer anzumachen. Sich an irgendwelche Jungs ranmachen, am nächsten Tag merken wie sehr man sich blamiert hat, ins Gebüsch kotzen, weiter tanzen, tanzen tanzen tanzen. Zwischen durch aufs Klo. Leute anquatschen. Und immer wieder tanzen tanzen tanzen.
Wir liebten es, waren der Mittelpunkt jeder Party, waren die coolsten Leute der Schule und überall dabei. Von außen waren wir die schönsten, die gefeiertsten und die beliebtesten. Doch zuhause wenn ich in den verschmierten Spiegel meines Zimmer starrte und eine völlig Fremde sah, die zerfressen von den Nächten war und deren leere Augen kaum noch einen Funken Glanz aufwiesen, sah man wie schlecht es mir ging. In meinen Augen stand ich in ihrem Schatten, seit dem ersten Augenblick. Doch in ihrer Umgebung fühlte ich mich wohl, sie war irgendwie ein Vorbild, man wollte sie nicht zum Feind haben. Als ihre beste Freundin stand man dennoch wie sie im Scheinwerferlicht vor allen, wurde bestaunt und begehrt.
Inzwischen hatten wir schon eine richtige Clique um uns geschart, alle bewunderten uns. Die Wochenenden mit unseren Freunden waren unbeschreiblich. Wir lernten Jungs kennen, viele. Doch in einer Nacht lernte ich einen kennen der mir wirklich Verstand verdrehte, Marcel. Er hatte schwarze Haare, eisblaue Augen und ein Lächeln, das einem die Sinne raubte, wir verstanden uns unglaublich gut.
Luna hatte auch einen kennengelernt, Jack. Er war blond, groß und sah aus wie ein Model. Doch wenn man sie kannte, wusste man, dass sie nur mit ihm spielte.
Gegen fünf am Morgen liefen wir mit ihnen durch die Strassen, Vodkaflaschen in der einen, Zigaretten in der anderen Hand. Die Nacht küsste unsre Körper, umschloss uns und gab uns dieses Gefühl von Freiheit, das ich mir gewünscht hatte, wir rannten, Asphalt unter den nackten Füssen. Ich drehte mich um, Marcel starrte mich an. Wir küssten uns, lange, dann lachten wir, liefen weiter, spürten jeden Stein unter unseren Füßen und genossen es. Wir waren nicht viele, Luna, die beiden Jungs und ein paar unserer Leute, aber es kam mir so vor, als wären er und ich alleine in den dunklen Straßen der Stadt. Ich schreie vor Glück, sang und tanzte um mich selbst, meine nackten Beine umwehte ein kühler Wind. Ein paar Regentropfen landeten auf meiner Haut. Er sah mich an. Ich trank und rauchte und es ging mir richtig gut, ich war glücklich.
Wir verbrachten nun jedes Wochenende zusammen. Marcel gehörte nun zu uns. Laue Nächte, viel Nikotin, viel Alkohol und ganz viel er, verdammt viel er. Es ist so als wären wir die einzigen auf dieser Welt, die irgendeine Ahnung haben vom Leben, vom Sein.
Marcel und ich wurden ein Paar, ein richtiges. Ich hörte auf mich durch die Gegend zu vögeln, wie ich es sonst immer getan hatte.
Der Kontakt mit Luna wurde mäßiger, wir sahen uns nur noch in der Schule und am Wochenende mit den anderen, denn ich wollte Zeit mit ihm verbringen.
Bis die SMS die wir schrieben weniger wurden, die Anrufe sich auf zwei Mal die Woche beschränkten und wir uns kaum noch sahen. Ich spürte dass er mich betrog, es war kaum zu übersehen, dennoch wollte ich ihn nicht gehen lassen. Irgendwann war aber die Zeit gekommen, dass er sagte dass es nicht mehr ging. Ich weinte, verfluchte ihn. Es war gut dass sie nun da war, obwohl ich so wenig mit ihr unternommen hatte. Sie tröstete mich, war bei mir und brachte mich auf andere Gedanken. An den Wochenenden eskalierte jede Party in einem Besäufnis der feinsten Art. Die Pillen betäubten den Schmerz den ich spürte. Es machte Platz für ein anders, ein stärkeres Gefühl, und das
was wir beide, Luna und ich, an diesen Tagen fühlten, ja dieses Gefühl war einfach viel zu intensiv um es nur ansatzweise beschreiben zu können. Es war so fest verankert, man hätte Unmengen von Kraft gebraucht um es uns entreißen zu können. Keine Sache und kein Mensch dieser Welt hätte so viel Kraft besessen. Es war die Freiheit die ich mir immer Gewünscht hatte, das Leben nach dem ich mich gesehnt hatte. Trotz der Schmerzen in meinem Herz.
Ich war frei.
Mittlerweile war es Sommer, die Tage bis zu den Sommerferien an einer Hand abzählbar, das Zeugnis für den Arsch. Aber das war uns egal, endlich lebten wir. Ich wollte immer nach Berlin und nun begannen wir eine Reise dorthin zu planen, sparten Geld und überlegten uns was wir alles machen wollten.
Dort angekommen war uns bewusst, dass wir im Paradies angekommen waren, genau so hatten wir uns unser Leben vorgestellt. Die bunten Wände der Stadt waren einladend, wir fühlten uns heimisch, zu Hause. Die Tage verbrachten wir in Museen für Fotografie und andere Kunst, wir gingen shoppen, waren ruhig und verhielten uns wie ganz normale Teenager in einer fremden Stadt. Doch die Nächte verbrachten wir in Bars, Kneipen und Discos. Eine diese Nächte war besonders schlimm, wir hatten einen Mann kennengelernt mit dem wir was geraucht haben, er war anfangs echt nett, freundlich, hat uns ein paar Getränke ausgegeben. Wir waren schon ziemlich betrunken Luna sogar mehr als ich, was selten vorkam, dann sind wir raus, den Joint rauchend, total entspannend, alles war schön, lustig, die Welt war verdammt bunt. Dann sind wir zurück zur Straßenbahn haben gewartet, mit dem Typen, angeblich wollte er nicht dass uns was passiert, so allein in Berlin. Uns ging es gut, so richtig, mir vor allem, es war alles so lustig. Bis Luna anfängt an zu kotzen, ich musste lachen obwohl ich schon verstand dass es nicht lustig war. Der Typ begann sich an mich ranzumachen, ich stieß ihn weg, aber das kümmerte ihn nicht, er begann mich anzufassen, ich schrie, irgendeiner kam und riss ihn von mir los, redete auf mich ein, aber ich verstand nichts.
Dann, plötzlich bin ich allein, hilflos, aber immer noch drauf. Begann zu lachen, konnte mich kaum halten, bis ich merkte, dass es ernst ist, ich kam schnell wieder runter, befand mich aber immer noch in dieser Schwebe vorm totalen Nüchtern-sein und noch in dem Rausch und dem High sein. Dann sehe ich zu ihr, sie hat sich hingesetzt, fällt aber fast zur Seite um, ich stütze sie, werde wütend weil sie den Boden schmutzig gemacht hat und meine Schuhe dazu. Die Tram kam, wir setzten uns rein, irgendwann kurz vor der nächsten Haltestelle musste sie sich wieder übergeben, mitten auf den Boden, von dem Geruch wird mir übel, alle anderen Passagiere drehten sich weg oder schauen mitleidig. Ich versuchte sie zu verteidigen, konnte aber kaum sprechen. Nach einigen Stationen mussten wir aussteigen und uns auf den Weg ins Hostel machen, Luna hing über meiner Schulter und ich schleppte mich voran, ich hatte verdammte Angst, hörte Stimmen und war total am Ende, aber ich musste wach bleiben, und das blieb ich auch. Am nächsten Morgen konnte sie sich an nichts erinnern, ihr ging es unglaublich gut, war fit und fröhlich. Nur ich war kaputt, musste schlafen und das tat ich auch den ganzen Tag.
Zurück zuhause fühlte ich mich leer, eingesperrt und müde, wollte nichts tun außer schlafen und feiern. Luna und ich verbrachten fast jeden Tag zusammen, meistens auf ihrem Bett, an die Decke oder auf den Fernseher starrend, kein Wort sprechend.
Die Meisten unserer Leute waren mit ihren Eltern oder Freunden im Ausland, wir langen rum, aßen kaum etwas und gaben uns der Faulheit hin. An manchen Abenden allerdings warfen wir ein paar Pillen ein die uns wach machten, gingen feiern. Wir suchten uns die Discos aus in der die Musik am lautesten, am Anschlag war, wir tanzten und blieben die ganze Nacht. Ich wollte, dass meine Gehörgänge noch Tage später die Lieder wiedergeben die ich liebte. Laut laut laut, viel zu laut um irgendwie klar zu kommen, kein Wort das ausgesprochen wird, nur stille Einverständnis, Getanze und dann immer Tequila zwischendurch, soviel dass man nicht mehr klar kommt. Viel zu viel, kurz vorm kotzen, ziemlich nah am Limit, aber noch nicht darüber hinaus. Exzessive Partynächte ohne Sinn, mit nur viel, viel zu viel Alkohol. Rausch. Schwindel und das ständige Getanze im Licht der Scheinwerfer, Stroboskope und dem schein der Sterne in der Nacht. Viel zu einfach, viel zu laut, viel zu stark. Schlafimun. Im Kopf nur der Gedanke glücklich zu sein, sich gehen zu lassen, zu schreien vor Glück. Wach bleiben, tagelang. Nächte an Bars verbracht, die Tage still vor sich hervegetierend, vorm Fernseher oder der Playse.
Diese Spanne zwischen Leben und Tod so unendlich nah und fern zugleich, beängstigend wie viel Zeit man hat und wie wenig Zeit man hat, viel zu wenig um das auszukosten was man Leben nennt.
Die Augenringe schwarz und unendlich tief, die Trunkenheit viel zu stark um sie zu bemerken.
Immer bereit für die nächste Nacht, für die nächste verdammt abgefahrene Nacht voller Alkohol, Nikotin und Tanz.
Lebensfreude, Selbstzerstörung, egal wie man es nennt, es tut gut, es beruhigt, macht glücklich und verdammt ich war wach. Viel zu wach um diese lauen Nächte nicht auszukosten um sich diesem Drang nach Party und Vergnügen nicht hinzugeben.
Kaum eine Nacht verbracht die nicht von dem warmen Gefühl alkoholischer Getränke getrübt wurde, kaum eine Nacht ohne laute Musik und den Geruch von schwitzenden Körpern auf der Tanzfläche.
Und jedes Mal wünschte ich mir, dass das alles niemals vorbei sein wird. Wir fühlten und so unglaublich erwachsen, machten uns keine Gedanken um unsere Zukunft. Doch auch irgendwann sind die Ferien vorbei, das heißt dass ich wieder zuhause schlafen musste. Nicht mehr bei ihr, wo man tun und lassen konnte was man wollte.
Ich lang tagelang nun wieder wach in meinem Bett, das Licht des Fernsehers flimmerte über den Boden, spiegelte sich in meinen Augen, ich starrte auf den Film. Hatte keine Ahnung was grad läuft. War kein Stück müde, nein, war geradezu hellwach. Seit Stunden. Ich brauchte etwas zu tun, ich stand auf, lief umher und versuchte klar zu kommen, irrsinnig viele Gedanken über irgendwelchen Blödsinn. Mein Kopf drohte zu zerplatzen. Geballte Fäuste, ich fing an wütend zu werden, wusste nicht warum. War verzweifelt wütend. Boxte gegen die Wände. Erst leicht, dann fester, irgendwann prasseln sie nur noch dagegen. Der Putz fing an zu bröckeln. Blut strömte aus den Knöcheln, ich spürte nichts, nur das Dröhnen in meinem Schädel. Meine Haut hing in Fetzen an meinen Händen. War im Begriff die Bierflaschen zu nehmen, die überall herum standen und gegen irgendwas zu schlagen, wäre aber zu laut, daher trat ich ein paar Mal gegen den Bettpfosten. Dieser Rausch in dem ich mich befand war unersättlich, war so voller Wut, absolut grundlos. Eine Weile randaliere ich noch durch die Gegend, dann wurde es mir zu anstrengend, lies mich fallen, schlug meinen Kopf noch mal voll gegen die Wand und starrte dann wieder ins leere. Der Fernseher gibt Schießgeräusche von sich, irgendeine Kampfszene. Meine Hände taten weh. Es wird hell, in einer Stunde würde ich in die Schule müssen. Ich wusste, es wird ein guter Tag.
Die nächsten Wochen bestanden aus Schule und den Wochenenden die wir auf Partys und im Alkoholrausch bestritten. Wir waren ziemlich am Ende, nahmen schon vor der Schule irgendwelche Pillen um den Alltag zu bestreiten. Keiner unserer Freunde verschwendete noch einen Blick an uns, wir waren zu kaputt. Nicht mal die, die uns noch vor einem Jahr von weiten bewunderten sahen noch zu uns auf, wir wurden Abschaum, keiner wollte noch etwas mit uns zutun haben. Ihre Schönheit verblasste und wurde zu einer weißen gesichtslosen Maske. Ich spürte, dass sie es nicht ertragen konnte ohne Bewunderer dazustehen, alleingelassen quasi, nur noch ich an ihrer Seite. Nach eineigen Wochen feierten wir keine Partys mehr, trafen uns nur noch alleine. Und ich spürte wie sie sich immer weiter von mir distanzierte, sie war mir nie richtig nah gewesen, ich war noch nie vollkommen zu ihr durchgedrungen, aber war dennoch der Meinung sie wenigstens ein Bisschen zu verstehen. Doch mit jedem Tag den wir gemeinsam verbrachten, mit jeder Pille die wir schluckten um dem Gefühl des Entzuges zu entgleiten war mir die Verachtung, die sie verspürte deutlicher. Die Verachtung gegen sich selbst.
Sie begann mich zu hassen, weil ich immer mehr wurde wie sie. Sie sah sich selbst in mir. Ich war ein Spiegel zu ihrem Äußeren, dunkle Augen, strähnige Haare, zerschlissene Klamotten zerfurchtes Gesicht. Die Drogen hatten uns zerfressen.
Als der Winter kam, war es am schlimmsten. Sie kam kaum noch zur Schule, oft stank sie nach Alkohol und wenn ich sie fragte ob es ihr nicht gut ginge war sie kurz davor auf mich loszugehen. Ihre Entscheidung in den Winterferien zu ihren Eltern nach Hause zu fahren hielt ich also für eine Lösung für ihre Probleme.
Nach diesen Ferien stand ich motiviert und glücklich auf, ich hatte die Drogen reduziert, versuchte ohne Partys klar zu kommen und hatte mich wieder mit eineigen Leuten getroffen, die ich vor Luna gekannt hatte.
Aber dennoch freute ich mich auf sie. Ich hatte nichts von ihr gehört, was ich als Zeichen dafür hielt, dass sie so wie ich an sich arbeitete. Es war klar, dass es so nicht weiter gehen konnte.
Doch dann an jenem Morgen, die Nachricht;
Auf dem Frühstückstisch lag ein Brief an mich. Ich riss ihn auf, es war ihre Schrift.
Jasmin,
ich wollte es dir nicht sagen, aber ich komme nicht wieder. Ich werde ein anderes Leben beginnen. Es war eine coole Zeit.
Luna
So wenig Zeilen, so wenig Gefühl. Meine Hände zitterten, ich hörte meine Stimme in weiter ferne, immer wieder wiederholte ich die Worte „Nein“, wie ein immer wiederkehrendes Manta.
Ich setze mich, wie in Trance nahm ich Stift und Papier und begann zu schreiben.
Luna,
ich denke grad im Moment an dich, ich schreibe diese Dinge hier alleine aus dem Grund, weil ich dich nicht mehr aus meinen Gedanken entfernen kann, es ist viel zu schwer das Erlebte zu löschen und mich dem hinzugeben was man das JETZT nennt.
Ich habe Angst vor heute, ich hatte Angst vor gestern und ich habe Angst vor morgen, ich habe angst Menschen wie dich zu verlieren, Menschen adieu zu sagen, an denen mein Herz hängt. Aber wenn du gehen willst, dann muss ich das wohl. Ich weiß dass ich Verlust nicht entgehen kann, soweit ich auch renne und so gut ich mich auch vor ihm verstecke.
Es haben wenige Menschen den Weg zu meinem Herzen geschafft. Du hast es, aber du bist daraus geflohen, aber irgendwas will dich nicht über den letzten Zaun klettern lassen, der dich von meinen Gefühlen zur Gleichgültigkeit führt. Ich will nicht noch mehr verlieren. Für mein Alter habe ich schon viel zu viel verloren, viel zu viele Menschen entfliehen lassen die in meinem Herzen eine Art Sonne gebildet haben, die alles erleuchtet hat und mich irgendwie glücklich machte.
Du fehlst mir jetzt schon, ich kann das nicht beschreiben, es ist so als würde alles in mir zerrissen werden, in jeder Sekunde ein weiterer Teil meiner Organe in zwei gerissen.
Es tut weh, glaub mir das. Ich verstehe zwar nicht dass du gehst, aber ich kann dich auch nicht bezwingen dass du zurück kommst, noch kann ich etwas an deiner Entscheidung ändern.
Ich hab den Brief nie abgeschickt, denn keiner weiß bis heute wo Luna ist, bei ihren Eltern ist sie nie angekommen. An manchen Tagen denke ich dass sie tot ist, aber die meiste Zeit glaube ich, dass sie sich ein Leben aufgebaut hat, in Berlin. Da wo wir immer hin wollten.
No comments:
Post a Comment